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Gedanken Wald (German)

Bester Freund

Bester Freund

Mar 25, 2021

Content Warning: Erwähnung von Selbstmordgedanken (keine Details)
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Heute ist der schlimmste Tag meines Lebens. Man möchte glauben, dass der Tag der Beerdigung deines besten Freundes der schlimmste Tag deines Lebens wäre, aber der Tag danach war viel schlimmer. Zur Beerdigung ist jeder einfühlsam und verständnisvoll. Du darfst schrecklich aussehen und durcheinander sein. Aber aus irgendeinem Grund interessiert es am Tag danach niemanden mehr wie schlecht es dir geht. Du musst wieder selber mit deinem Leben und dem Alltag klarkommen. Heute ist dieser Tag. Am liebsten hätte ich ja das Bett gar nicht erst verlassen, geschweige denn das Haus, aber ich hatte Hunger und nichts mehr im Kühlschrank. Ich hatte mich die letzten zwei Wochen davon ernährt. Seit er gestorben ist. Jetzt war der Kühlschrank leer. Also zog ich mir etwas, das nicht stank, über und ging mir was Essbares besorgen.
Ich überquerte gerade eine Straße als ich plötzlich stehen blieb. Alles um mich herum verschwand aus meiner Wahrnehmung. Ich konnte nur ihn sehen. Auf der anderen Straßenseite. Er war es. Ich war mir sicher. Es war unmöglich, aber es konnte nicht nicht er sein.
Das Hupen eines Autos brachte mich zurück in die Realität. Die Ampel war rot geworden. Ich beeilte mich den Rest der Straße zu überqueren, ohne meine Augen von ihm abzuwenden. Je länger ich ihn betrachtete, desto sicherer war ich mir, dass er es war.
Ich rannte. Schneller als ich je geglaubt habe rennen zu können, selbst an meinen besten Tagen. Ich sprang direkt vor ihn um ihm direkt in die Augen sehen zu können. Die Augen mit dieser undefinierbaren Farbe. Eine Mischung aus blau, grün und grau mit ein paar braunen Punkten dazwischen. „Wie...“ war alles, was ich sagen konnte.
Er reagierte überrascht und etwas verwirrt. „Du weißt, wer ich bin?“ Ich wusste nicht wie ich darauf antworten sollte. „Du solltest dich nicht an mich erinnern können!“ Ich konnte nichts tun, außer ihm weiterhin in die Augen zu starren. Die Augen, welche ich dachte nie wieder sehen zu können. Und wie sollte ich sie je vergessen? All die langen Nächte in welchen wir redeten während mit zerbrochenem Herzen war, all die dunklen Tage, in denen mich diese Augen mit Fürsorge anschauten, während ich mich wie der schlechteste Mensch überhaupt benahm. Diese Augen hatten mich öfter gerettet als ich zählen konnte. „Wie könnte ich dich je vergessen?“
Er griff nach meinem Handgelenk und begann die Straße entlangzueilen, mich hinter sich herziehend. „Au! Du tust mir weh!“ Ich versuchte seinen Griff zu lockern, doch vergebens. Ich musste hinter ihm herstolpern. Ohne zu stoppen, betraten wir ein nobel aussehendes Bürogebäude. Wir gingen direkt zu Rezeption, einige Leute in der Schlange davor zur Seite schubsend. „ETWAS IST SCHIEF GELAUFEN!“, schrie er. Ich schaute die Frau, welche gerade angeschrien wurde, entschuldigend und etwas verwirrt an. Ihre Reaktion war so professionell wie ihr Aussehen. „Bitte folgen Sie mir“, sagte sie, zeigte zu einem Gang und begann diesem zu folgen. Er schien nicht mit dieser Reaktion gerechnet zu haben. Seine Wut war aber noch nicht komplett verflogen. Er hielt mein Handgelenk noch immer schmerzhaft fest. „Lass bitte los...“ versuchte ich es noch einmal, da ich meine Hand langsam nicht mehr fühlte. Er schaute mich an und wirkte überrascht mich zu sehen. Sofort ließ er los. „Tut mir leid! Ich wollte nur...“ Die Empfangsdame räusperte sich laut. Wir begannen ihr den Gang entlangzufolgen. Ich versuchte vergebens anhand der Schilder an den vielen Türen, die wir passierten zu erkennen, welche Art Unternehmen hier arbeitete, gab dies aber schnell auf. Dafür war der Gang lang genug, dass ich Zeit hatte, über die Situation nachzudenken. Mein bester Freund lebte noch. Und das nur ein paar Tage nach seinem Tod. Ich hatte die Leiche zur Beerdigung gesehen, aber er lebte. Vielleicht Träume ich ja?
Ich begann gerade nach einer logischen Erklärung zu suchen, da hielt die Empfangsdame an und klopfte an eine Tür. Ohne auf eine Antwort zu warten, öffnete sie selbige und sagte, „Es gibt einen 36.“ Eine tiefe männliche Stimme antwortete: „Verstehe. Lass sie eintreten.“ Die Dame gab uns ein Zeichen, dass wir eintreten sollen und begann zurück Richtung Eingang zu gehen. Das Klicken ihrer Absatzschuhe wurde unerwartet schnell leise. „Komm“, sagte mein Freund und ging hinein. Ich wollte niemanden warten lassen, weshalb ich mich beeilte, ihm zu folgen. „Ah! Herr Baker! Kommen Sie herein. Setzen Sie sich. Was für ein Problem gibt es denn?“ Der Mann hinter dem Tisch sah genau so aus, wie man sich einen typischen Geschäftsmann vorstellte, inklusive Anzug und Krawatte. Aber warum Baker? Mein Freund hieß nicht Baker. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, da ich immer noch nicht herausgefunden hatte, was überhaupt passiert. Also tat ich es meinem Freund gleich und setzte mich auf einen der Stühle, welche vor dem Tisch standen. „Sie kann sich erinnern“, war alles, was er sagte. Er schien sich etwas beruhigt zu haben. „Verstehe. Es ist zwar selten, aber dies kann durchaus vorkommen.“ Der Mann hinter dem Tisch begann etwas in seinen Computer zu tippen und zu klicken. Ich nutzte die Zeit um mich in dem Büro genauer um zu schauen. Es war recht leer. Keine Fenster. Nur der Tisch und ein Regal mit Ordnern. Keine Bücher oder Bilder. Keinerlei Anhaltspunkte dafür, welche Art Geschäfte sie hier betrieben. „Ah. Hier ist er, dein Fall. 156 Menschen mit massiven Gedächtnisänderungen. Diese kannten dich gut. 1738 aus deren Erinnerung du lediglich gelöscht wurdest. Keine komplexen Veränderungen vonnöten. Der Rest kannte dich nicht gut genug. Einfaches verleugnen sie zu kennen reicht vollkommen. Ich gehe davon aus, dass die Dame zur ersten Kategorie gehört“ Gedächtnisänderung? Was geht hier vor sich? Wie konnten sie einfach Erinnerungen verändern? „Wo bin ich hier?“, verlangte ich nun zu wissen. Der Schock, unter dem ich bis eben stand, wurde durch Wut ersetzt als ich hörte, wie er über die Erinnerungen anderer sprach. „Es tut mir sehr leid. Diese aktuelle Situation sollte es nicht geben. Die Technologie wird noch entwickelt und Fehler können passieren. Ich kann ihnen aber garantieren, dass Morgen alles wieder gut sein wird.“ „Und warum sollte ich das wollen?! Ich will nicht, dass jemand meine Erinnerungen verändert. Und ich will definitiv nicht meinen besten Freund vergessen. Das ist es doch, was sie vorhaben?“ Ich war aufgesprungen und hatte beide Hände auf seinem Tisch gestützt um mich näher zu ihm hin beugen zu können. Jegliche Höflichkeiten waren mir egal. Mein Freund wirkte erschrocken von meiner plötzlichen starken Reaktion, doch der Geschäftsmann blieb professionell. „Ich verstehe wie sie sich fühlen. Aber dies ist zu ihrem besten. Vor allem aber zu dem Besten meines Kunden. Leider muss ich ihnen mitteilen, dass sie darauf keinen Einfluss haben.“ Keinen Einfluss? Das waren schließlich meine Erinnerungen, um die es hier ging. Ich sollte die einzige Person sein, die darauf Einfluss hat. Bevor ich etwas erwidern konnte, sagte mein Freund: „Das passt schon. Können wir ihr erklären, worum genau es hier geht? Ich bin mir sicher, sie würde verstehen. Ich hätte auch nichts dagegen, wenn sie sich erinnert. Wir sind schließlich beste Freunde.“ Während er das sagte, drückte er mich sanft zurück in den Stuhl. Der Gesichtsausdruck des Geschäftsmannes änderte sich noch immer nicht. „Verstehe. Wenn sie es so wünschen, können wir das natürlich so machen.“ Er schaute mich an. „Ich werde ihnen nun alles Wichtige erklären, was sie wissen müssen. Wenn sie irgendwelche Einwände haben, welche wir nicht klären können, kommen wir leider nicht darum herum ihre Erinnerungen an uns zu entfernen, was ihre Erinnerungen an meinen Kunden beinhaltet.“ Ich war etwas verwirrt. War es wirklich so einfach? Konnte ich wirklich einfach meine Erinnerungen behalten? Ich verstand noch immer nicht, was genau hier passierte. „Ich verstehe nicht...“ Endlich gab mein Freund eine richtige Erklärung: „Ich konnte nicht mehr so leben. Ich war stark depressiv und wusste nicht, was ich dagegen tun konnte. Ich hasste meinen Beruf. Ich hasste die meisten meiner Freunde und, wie du weißt, kam ich noch nie mit meiner Familie klar. Jetzt erinnert sich niemand daran, dass ich je existierte... außer du natürlich. Dies ist meine Chance neu anzufangen. Ich kann mit einem neuen Lebenslauf einen Beruf finden, der mir Spaß macht. Ich habe offiziell keine Familie mehr und keine Vergangenheit welche meine zukünftigen Beziehungen beeinflussen könnte. Es ist perfekt! Und, weil sich niemand erinnert, muss auch niemand leiden. Es ist viel besser als Suizid zu begehen, was ich ernsthaft in Betracht gezogen hatte...“ er wurde still. Die Erinnerung daran muss ihm noch immer Schmerzen bereiten. Ich wusste nicht, dass er sich so fühlte. Natürlich war mir klar, dass er nicht glücklich war, aber dass es so schlimm war? „Aber... Warum hast du nie was gesagt? Ich hätte...“ Er unterbrach mich: „Du hättest nichts ändern können. Um ehrlich zu sein habe ich mich nur wegen dir für diese Option entschieden. Ich wollte dir nicht weh tun. Aber jetzt... Ich...“ Nun unterbrach der Geschäftsmann: „Ich habe nach gesehen. Ihre Erinnerungen überschneiden sich fast nicht mit denen der anderen. Sie muss nur zustimmen die Situation zu belassen wie sie ist und deine vergangene Existenz nie anderen gegenüber zu erwähnen. Ihr könnt eure Vorgeschichte, dass ihr Kindheitsfreunde seit, behalten. Sie müsste nur die neuen Fakten zu deiner Familie, dass sie alle bei einem Unfall als du 19 warst umgekommen sind, akzeptieren und auf Nachfrage unterstützen. Das sind all die Änderungen an der offiziellen Geschichte, die nötig sind. Wenn ich ehrlich sein darf, ist es eine sehr einfache Anpassung.“ Dies warf erneut mehr Fragen auf als es beantwortete, aber das war ok. Solange ich meinen besten Freund lebend behalten durfte, war ich mit so ziemlich allem einverstanden. Ich nickte. „Klingt gut.“ Doch mein Freund schien noch Fragen zu haben. „Wie kommt es, dass sie sich erinnert? Was wenn noch jemand seine Erinnerungen nicht verloren hat?“ Der Geschäftsmann klickte erneuert in seinem Computer herum bevor er antwortete: „Ich halte das für unwahrscheinlich. Diese Dinge kommen in der Regel nur bei unzerstörbaren Beziehungen vor. Und sie muss wirklich auf natürliche Weise unzerstörbar sein. Ihr zwei scheint diese seltene Art von Beziehung zu haben. Etwas was man wertschätzen sollte, wenn ich meine Meinung äußern darf. Es missfällt mir stets eine solche Beziehung zerstören zu müssen... Ich drucke die nötigen Formulare aus. Nachdem sie beide unterschrieben haben, können sie zurück zu ihrem Alltag gehen und nie wieder an heute zurückdenken.“ Ich war mir immer noch nicht sicher, was genau hier vor sich ging, aber scheinbar hatte ich genug Zeit, meinen Freund später darüber auszufragen. Er war am Leben und ich konnte mich noch an ihn Erinnern, das war alles, was in dem Moment wichtig war.
randomname160
Lillie

Creator

Geschrieben basierend auf dem Prompt: " Your best friend recently died. His funeral was yesterday, but today you just saw him in the street. Approaching him you ask how he was still alive. He responds: 'How do you know me? No one was supposed to remember.' "

Übersetzt aus dem Englischen. Lies das Original hier: https://tapas.io/episode/2102755

Danke fürs Lesen!

#short_story #prompt #german #deutsch #Kurzgeschichte

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