Flucht Teil 1 (Casey POV)
Als es wieder dunkel im Container wurde, entspannte ich mich etwas. Das war eine so seltsame Situation, in der ich da hineingeraten bin, dass es mir schwer fiel alles im Geiste zu ordnen. Dem war auch meine Übersprungshandlung mit dem Mittelfinger zuzuschreiben gewesen. Normalerweise ließ ich mich nicht so provozieren, aber von seltsamen Wesenheiten entführt zu werden, um dann eine Fantasyschlacht in meinem Garten zu erleben, war etwas zu viel für meine Nerven gewesen.
Entkräftet rieb ich mir über Gesicht und besah mich das erste Mal richtig in meiner Zelle. Es handelte sich um einen typischen Schiffscontainer, wie man ihn zu tausenden am Hafen zu sehen bekam. Nur eben etwas ausgebaut. Die winzige Glühbirne in der Mitte gab mir ausreichend Licht, um mich sicher bewegen zu können, für mehr aber auch nicht. Ein kurzer Blick an die Tür verriet mir das sie meine neue Behausung mit einer dicken Kette und einem Vorhängeschloss gesichert hatten. Ich grinste und lehnte mich zurück. Keine überstürzten Handlungen mehr. Ich musste die Informationen, die ich hatte, ordnen und mir dann einen passenden Plan überlegen.
Zuerst, die Männer der Jefferson Security Firma. Seltsame Vampirwesen waren es nicht. Dafür erinnerten mich ihre Ohren zu sehr an Tolkien.
„Dunkelelfen“, erinnerte ich mich murmelnd an das Cover eines Buches, das ich mal in einer Buchhandlung gesehen hatte. Darauf würden sie passen. Doch was wollten sie von mir. Ich hatte so viele Bilder in meinem Leben gemalt und keines hatte mich auch nur vermuten lassen, dass ich damit in derartige Schwierigkeiten geraten könnte. Genauso diese komischen Dämonenwesen, die uns mit einem Mal angegriffen hatten. Waren sie hinter mir her gewesen oder den Dunkelelfen?
Wenn die Elfen, es fühlte sich seltsam an, dieses Wort ernsthaft auch nur zu denken, solch ein Interesse an meine Bilder hatten, vielleicht galt das auch für diese Viecher. Leider musste ich feststellen das die Dunkelelfen wahrscheinlich die bessere Wahl waren. Auch wenn sie sehr unangenehme Zeitgenossen waren, hatten sie bis jetzt keine Anstalten unternommen mich zu töten. Das sah bei den Viechern schon anders aus.
Beim Gedanken an die Wesen schoss mir der Vorraum meines Büros durch den Kopf. Wie hatten sie die Maschinengewehre zerstört? Magie? Wahrscheinlich, was eine gut platzierte Kugel zwischen die Augen leider ausschloss. Aber nur weil etwas nicht mit Schusswaffen sterben konnte, hieß das nicht, das man es nicht töten konnte. Ich musste nur die richtige Methode finden.
Mit diesem beruhigenden Gedanken legte ich mich ins Bett und starrte an die Decke. Es war lange her, dass ich mich in einer Zelle befunden hatte. Morgen würde ich sehen, ob ich in solch einer Lage immer noch überleben konnte.
Es musste noch früh sein, als mich das Geschrei einer Person weckte. Sofort hellwach war ich auf den Beinen und versuchte zu verfolgen was vor meinem Container vor sich ging. Das hatte er also gemeint, als er mir Konsequenzen angedroht hatte. Wut erfasste mich, schneller als ich einen klaren Gedanken fassen konnte. Früher war in diesen Situationen Liam der Ruhigere gewesen. Er hatte mich vor unbedachten Handlungen geschützt. Jetzt brodelte der Hass ungebremst durch meine Venen und ich holte schneller aus als ich es selbst registriert. Mein Fuß krachte gegen die Containertür und das Schloss ächzte heftig, gab jedoch nicht nach. Die Zähne fest zusammengebissen setzte ich mich aufs Bett und wartete.
Es dauerte, bis sie Jonas in Ruhe ließen und es stiller wurde. Die Fäuste auf die Knie abgestützt starrte ich die Tür an, während ich verfolgte, wie sie etwas Schweres über den Boden schleiften und damit verschwanden. Dann dauerte es nochmal dreißig Minuten, bis die Containertür geöffnet und mir Nathan Walker mit zufriedenem Gesichtsausdruck entgegenblickte.
"Da hast du deine Konsequenzen" wurde mir mitgeteilt, während der hyperaktive Pierce-Bruder mir stolz den leeren Container und das Blut von Jonas präsentierte.
Ich besah beides und wusste, dass der Tod einer weiteren Person auf meine Rechnung ging. Abneigung wurde zu Hass und auch wenn ich keine Antwort erwartete, sah ich Nathan direkt in die Augen und sagte. „Von mir bekommt ihr nichts.“ Der kümmerte sich nicht um meine Worte, sondern schloss einfach wieder die Containertür.
Danach blieb es lange still um mich, herum und auch wenn meine Wut nicht weniger wurde, zog sie sich zu einem festen Ball in meinem Inneren zusammen und ließ mich wieder klar denken. Es musste eine Möglichkeit geben von hier zu verschwinden. Zwar hatte ich keine Ahnung welche besonderen Fähigkeiten die Dunkelelfen noch besaßen, aber wenn ich es nicht zumindest probierte, konnte ich meinen Widerstand auch gleich aufgeben. Und das kam für mich nicht in Frage.
Deswegen stand ich auf und inspizierte noch einmal ausgiebig meine Zelle. Es gab keinen Fluchtweg abgesehen von ihrer Tür. Und die war mit einem Schloss gesichert. Zum Glück war Schlossknacken in meinem Metier eine außerordentlich nützliche Fähigkeit und so zerbrach ich den Kugelschreiber, den sie mir zum Zeichnen gegeben hatten, bis ich einige lange spitze Stücke hatte. Damit ausgerüstet setzt ich mich von innen an die Tür und schob sie so weit auf, wie es mir möglich war. Niemand reagierte auf das Geräusch und so wartete ich erst mal ab. Danach rüttelte ich fester an der Tür und beobachtete, ob jemand nachsehen kam.
Offensichtlich hielten sie mich für sicher verpackt, denn niemand erschien.

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