Kapitel sechs
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Diesmal nichts. Lange ist es her, dass ich aus einem der Hotels abgehauen bin, aber die Routine die wir hatten ist nicht vergessen. Mir wäre es lieber Henry würde mich anschnauzen, als einfach nur so dazusitzen und die stille auf mich wirken zu lassen. Nicht einmal ein Radio spielt eine Beruhigende Musik, nein, das einzige was ich höre sind die Reifen auf dem Asphalt. Ich mag eigentlich die Ruhe die man manchmal in Elektroautos verspürt, aber diese schein einem einfach nur alles nehmen zu wollen was einem Wichtig ist. Kann er nicht irgendetwas sagen? Soll ich was sagen? Soll ich mich entschuldigen? Wieso möchte ich mich entschuldigen? Ich habe nicht falsch gemacht. Also sitzen wir nun da und Henry fährt das Auto. Nachdem wir ein paar Häuser und ein kleines Kaffee passiert haben biegen wir in eine Tiefgarage, die wahrscheinlich dem Hotel gehört, ein. Wir steigen aus dem Auto aus es wurde immer noch kein Wort gesprochen. Ich halte die stille nichtmehr aus und wollte gerade zu, keiner Entschuldigung, einer Erklärung? ansetzen, als Henry plötzlich seinen Mund öffnet „Morgen früh haben wir um 8 Uhr einen Termin bei einem Radiosender, also stehe pünktlich auf und vergiss das Abendessen mit „The dark hole“ nicht, die wollen alles wegen deinem neuen Feature auf ihrem Album besprechen.“ Nachdem er das gesagt hatte verließ er die Tiefgarasche in Richtung unserer Hotelzimmer. Ich bleibe wie Angewurzelt stehen. Es liegt nicht an den Worten die Henry benutzt hat ich glaube solche ansagen bekommen viele Leute von ihren Managern es liegt an der Enttäuschung die in ihnen mitschwingt. Irgendwie tut es mir ja auch leid „abgehauen“ zu sein und ihm so Probleme gemacht zu haben. Früher bin ich gegangen, weil ich das High- Society leben satthatte und mich einfach nur betrinken wollte, aber diesmal hatte ich einen Grund einen richtig guten sogar. Wobei als gut würde ich ihn nicht bezeichnen. Es lässt sich wohl eher als einen Grund bezeichnen der dazu einlädt wegrennen zu wollen, und das habe ich auch gemacht. Zumindest auf die ein oder andere Weise.
Gestern Abend nachdem wir hier angekommen waren und Henry uns eingecheckt hatte bekam ich einen Anruf. Der Name meiner Mutter tauchte auf dem Display auf und ich drückte reflexartig auf den grünen Hörer. „Hi Schatz, wie geht es dir? Hast du schon was gegessen? Soll ich dir was von deinem Lieblings Italiener mitbringen?“ Eigentlich eine ganz normale Frage die eine Mutter ihrem Sohn stellt, oder? Es gibt nur ein Problem, denn meine Mutter darf eigentlich nicht auf dem Weg nachhause sein, sie sollte eigentlich in der Klinik sein und ihren Entzug machen. Sie hatte mir versprochen, dass sie es diesmal schafft. Ich war enttäuscht als ich hörte, dass sie die Behandlung wieder abgebrochen hat, aber was habe ich erwartet?, dass sich nach so vielen Jahren doch noch was ändert? Ich bin dabei die Hoffnung aufzugeben. Da ihre Stimme und ihr Tonfall sich immer so anhören, wenn sie betrunken ist war ich mir eigentlich sicher, dass sie nichtmehr in der Klinik ist. Ich
war so wütend zu diesem Zeitpunkt, ich habe einfach aufgelegt. Einer Pflegerin die meine Mutter schon öfters betreut hat eine Nachricht geschrieben und bin weggelaufen. Dass sie sich wieder Betrinkt hatte ich nicht erwartet nicht nach so langer Zeit im Entzug ihr ging es doch gut und sie sollte bald entlassen werden und ich wollte mir Zeit nehmen und mit ihr in den Urlaub fahren und jeden Moment genießen den wir zusammen haben während sie nüchtern ist und es ihr gutgeht.
Mein Vater ist Abgehauen daran kann ich mich schon garnichtmehr erinnern. Ich hatte einen Brief von ihm bekommen als ich älter war indem erklärt er, dass er es mit meiner Mum nicht ausgehalten hat und deshalb gegangen ist und dass es mich mitnehmen wollte, aber ich ja noch so klein war und so was. Da mein Vater also schon recht früh nicht mehr da war und meine Mutter häufig betrunken war, hing ich, wenn ich mich nicht gerade um meine betrunkene Mutter kümmerte, häufig mit Dilon auf dem Spielplatz rum. Seine Familie war wie meine Familie. Ich bezeichnete Mr. Und Mrs. Parker, Dilons Eltern, auch häufig als meine Familie, denn sie haben mir nicht nur häufig Essen und Kleider gegeben, sie haben auch dafür gesorgt, dass ich gut in der Schule bin und sie haben mir Henry vorgestellt als sie mein Talent zum Singen entdeckt haben. Die Tage die ich bei Dilon verbrachte waren wie Urlaub, schon fast wie ein Traum, aber ich wurde immer wieder in die harte Realität geworfen zu meiner betrunkenen Mutter und meinem mich verlassenen habenden Vater. Irgendwann als ich meine ersten Songs veröffentlicht hatte und etwas Geld gespart hatte ich versucht meiner Mutter zu helfen, der Beginn von einer Reihe an fehlgeschlagenen Therapien und zum Fenster rausgeworfenes Geld. Ich habe es wenigstens geschafft, meine Mutter die benötigten Unterschriften setzen zu lassen, welche ich für meine Karriere benötigte, denn ich war zu jung um dies selbst zu tun. Meine Berühmtheit stieg und ich verbrachte immer mehr Zeit mit Henry auf irgendwelchen Meetings, die Zeit die ich mit Henry verbrachte fehlte mir mit Dilon und jetzt sehen wir uns nur noch selten und das einzige regelmäßige was uns verbindet ist ein monatlicher betrag Geld der sicherstellen soll das es ihnen gut geht. Es ist nicht so, dass sie das Geld unbedingt brauchen, aber jeder der Sie sieht, ihr Haus sieht würde verstehen warum ich es ihnen gebe. In einem Armenviertel ist es halt nirgends besonders Schön. Ich bin froh ihnen überhaupt helfen zu dürfen und gebe alles was sie annehmen. Wenn ich weg war, war meine Mutter meist in eine der Therapien und Kliniken oder ich hatte jemanden dafür bezahlt auf sie aufzupassen. Ich bereue die Entscheidung nicht mein Leben so gewählt zu haben, wäre ich bei meiner Mutter geblieben würde ich jetzt neben ihr mit einer Nadel im Arm und einer Whiskyflasche in der Hand auf dem Boden liegen und warten bis alles besser wird – Ich weiß nur es wird nichts besser werden.
Kapitel sechs Ende
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