Kapitel acht
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Ich sitze im Laden und sehe zu wie die Leute kommen und gehen. Ich frage mich was sie machen und wohin sie gehen. Es scheint als ob ich wieder keine Antwort auf meine Fragen bekomme. Ich wünschte mir würde sie jemand beantworten. Nach einer weiteren Stunde grübeln im Laden habe ich mir bewusst gemacht, dass ich keine Antworten alleine durch das Rumsitzen, Kaffee trinken und Fragen stellen bekommen werde. Das kleine Café füllt sich zur Mittagspause mit Arbeitern aus der Umgebung, deshalb beschließe ich meine Rechnung zu zahlen, aufzustehen und wider in mein Auto zu steigen. Ich fahre die Stecke in das Zuhause meiner Mum, ohne überhaupt nachzudenken, denn mein Kopf fühlt sich unerträglich schwer an. Wird er gerade mit einem Hammer bearbeitet? Den einzigen Wunsch den ich zu diesem Zeitpunkt hege, ist der wieder in eine andere Welt einzutauchen und den lästigen Druck des Alltags loszuwerden.
Ich fahre in unsere Einfahrt und wie ein schlafendes Kind erwacht, wenn es merkt das die Autofahrt ein Ende hat und es zuhause ist erwacht auch mein verstand. Ich weiß genau was ich tun will. Zielstrebig stehe ich auf, schließ die Türe auf und betrete das Haus welches, leer und aufgeräumt ist. Ich besteige die Treppen und laufe schnurstracks in mein Zimmer. Die Klarheit die mir mein Verstand gegeben hatte als ich in der Einfahrt angekommen war verflog sofort, als ich die gepackte Sporttasche auf meinem Bett sehe. Das Haus ist leer. Das ist die erste Feststellung die ich mache.
Ich dachte nicht lange darüber nach als ich beschloss meine Tasche zu schnappen und die Reise zu der Wohnung meines Vaters auf mich zunehmen. Es ist ein Donnerstagnachmittag und ich stehe vor der Haustür meines Vaters; nicht in der Lage die Klingel zu betätigen. Ich texte meiner Schwester in der Hoffnung, dass sie mir hilft aus dieser Unsicherheit zu entfliehen und es wieder zurück in die normale Welt zu schaffen. Ich hoffe das sie mir hilft zu verstehen was in den Letzten 24 Stunden Passiert ist und ich hoffe, dass sie was zu essen mitbringt, denn ich habe riesengroßen Hunger. Ich habe mich wieder ins Auto gesetzt und eine Playlist angemacht als ich während des Liedes „Riptide" von Vance Joy das rote Auto meiner Schwester auf die Parkanlage des Wohngebiets fahren sehe und als sie aussteigt und mir entgegen läuft sehe zwei Pizzakartons auf ihrem Arm und ich möchte sie einfach nur umarmen. Wir betreten die Wohnung gemeinsam. Mein Vater ist gerade unterwegs und macht ein paar Besorgungen. Er findet es nicht so schlimm, wenn wir Kinder alleine sind. Drinnen setzen Mi und ich uns vor den Fernseher und schauen zwei Folgen einer Serie welche wir zusammen angefangen haben. Das hilft mir zwar nicht bei meinen Fragen, aber es bringt mich zurück in die „wahre" Welt und als die beiden Hauptcharaktere sich endlich treffen habe ich schon fas vergessen was in den letzten Stunden passiert ist.
Kurz nach Ende der zweiten Folge hören wir die Schlüssel im Türschloss und nur Sekunden später betritt mein Vater das Wohnzimmer. „Hi, ich bin wieder da. Wollt ihr was essen wir können Pizza bestellen." Es dauert einen Moment bis er die leeren Kartons auf dem kleinen Tisch in der Mitte des Raumes sieht. „Nein, Dad alles gut wir haben uns schon selbst was besorgt." Sagt meine Schwester um das ganze nochmal deutlich zu machen. Sowieso hätte ich keine Lust mit meinem Dad an einem Esstisch zu sitzen. Nicht das ich es nie wieder tun will, nur jetzt nicht, nicht nachdem was gestern passiert ist. Meine Schwester erkennt meinen missmutigen Gesichtsausdruck, dessen bin ich mir sicher. „Okay, also ich werde mir dann wohl eine Portion Nudeln machen und mich zu euch setzen, wir müssen noch die Monopolyrunde vom letzten Mal zu Ende spielen." Sagte mein und bevor wir auch nur antworten verlässt er das Zimmer und läuft durch den kleinen Flur Richtung Küche. Mi sagt zwar nichts, aber sie starrt mich an. Das nervt total. „Was?" frage ich mit einem genervten Unterton, sie soll wissen woran sie ist. „Ähm... ich wollte nur Fragen wie es dir geht und ob alles okay ist, du bist gestern einfach so gegangen und ich habe mir bisschen Sorgen gemacht." „Naja Mi wie soll es mir schon gehen?" Ist das einzige was ich auf ihre Frage antworten kann, nicht weil ich erwarte, dass sie die Antwort kennt. Ich antworte so, weil ich die Antwort nicht kenne. „Also Mum und Dad haben aufgehört zu streiten als du so plötzlich das Haus verlassen hast. Das kam irgendwie unerwartet; auch für mich" schob sie empathisch nach „Wir haben dann ein Weilchen einfach so dagesessen bis Mum fragte ob wir dich nicht suchen sollen. Ich sagte ihr das du in der Bib bist. Das stimmt hoffentlich auch, oder?" Sie fragt, weil sie wissen möchte ob ich was Schlimmes getan habe und weil sie mich beschützen möchte oder wenigstens in Sicherheit wissen, deshalb hat sie Mum auch davon abgehalten mich suchen zu kommen. Manchmal liebe ich sie für solche Aktionen und an anderen Tagen möchte ich sie dafür Köpfen. Bin ich deshalb ein schlechter Bruder? „Ja ich bin in die Bibliothek gefahren und hab gelesen und nachdem Lisa gegangen war, Briks eingeschlafen war und Simon abgeholt wurde bin ich ins Café gegangen, naja bis ich dich dann angetextet habe und wir uns zwei große Pizzen reingezogen haben." „Das ist gut." ist das Einzige was sie sagt. Wir beschließen die Pizzakartons wegzuwerfen und den Fernseher auszuschalten. Als wir gerade dabei waren das Spielbrett aufzubauen fragt Mi mich „Wer ist Simon?" Mi kennt die Leute aus der Bibliothek sie ist auch ab und zu da und ich rede viel mit Mi über das was ich tue. Gedankenverloren antworte ich „Ach er ist gestern in unsere Bibliothek gekommen. Wollte sich vor ein paar Fans verstecken. Es scheint als könnte die Leute echt anstrengend werden. Ich habe ihn dann dazu gebracht Gatsby zu lesen und heute Morgen hat sein Manager Henry ihn abgeholt." Ich merke erst das etwas komisch ist als ich zu Ende geredet hatte und Mi nicht weiter die Karten in die Box sortiert „W... W... W... W... Was? Nochmal Jake. Wer ist in die Bibliothek gekommen?" „Simon Brown wie oft soll ich..." ich wurde unterbrochen „Warte was Simon Brown ist hier? Der Simon Brown und du warst die ganze Nacht mit ihm in der Bibliothek und ihr habt gelesen?" „Ja, wieso?" Mila schaut mich nur ganz erstaunt an. Ich verstehe gar nicht was sie will. Simon ist doch auch nur ein Mensch. Zumindest glaube ich, das werde Aliens noch Roboter sich so verhalten wie Simon es gestern getan hat.
Dad betritt mit einem Teller Nudeln den Raum um mit uns zu spielen als er Mi's erstaunten Blick sieht. „Alles in Ordnung Mi?" Er versucht freundlich zu klingen, aber es schwingt etwas Angst in seiner Stimme mit. „Garnichts ist in Ordnung, Jake hat die letzte Nacht einfach mit Simon Brown verbracht." Da Mi eine so unglückliche Wortwahl traf beschloss ich direkt eine Erklärung nachzuschieben, bevor irgendwelche ungewollten Fragen aufkommen. Wie komme ich eigentlich darauf das so etwas passieren könnte? „Ähm, also Ja ich bin Gersten nach dem ähm... Essen? In die Bibliothek und nach einer Weile kam er rein und sagt, dass er sich vor einer Horde Fans verstecken muss, also haben wir kurz geredete ich habe ihm Gatsby in die Hand gedrückt er hat es gelesen und dann war auch irgendwie schon morgen und er hat mit seinem Manager telefoniert wir haben wieder geredet. Ich habe ihm erlaubt das Buch auszuleihen und ihm unsere, also Mums Adresse gegeben das er das Buch wieder zurückschicken kann und dann wurde er auch schon abgeholt." Das scheint mein Dad zwar kalt zu lassen, aber Mi sieht noch erschreckter aus als vor der Erklärung. Sie erinnert mich in ihrem Zustand etwas an ein erschrecktes Rehkitz. „Du hast Simon Brown unsere Adresse gegeben?" fragte sie mit einem unterduckten Fipsen in der Stimme. „OMG" war das Einzige was man verstehen konnte als sie sich wieder auf die kleine Couch schmiss und Irgendetwas in ein Kissen brüllte. Dad und ich zogen einfach nur die Schultern hoch und machten uns daran das Spiel fertig aufzubauen.
Ich glaube viele meiner Fragen habe ich vergessen und es scheint so als ob es die richtige Entscheidung war hierher zu kommen. Die Fragen sind hier nämlich nicht mehr wichtig. Hallo Welt. Ich hoffe Mi beruhigt sich irgendwann auch mal wieder, denn sie starrt mich währen dem ganzen Spiel entgeistert an und kann nicht mal wirklich damit aufhören als das Monopolyspiel in eine Kissenschlacht / Kitzel Attacke übergeht. Ich liebe diese Zeit mit meiner Familie, es fühlt sich an, als ob die Welt sich um einen Selbst dreht und man machen kann was einem Beliebt. Mir Beliebt es gerade nach einem Kaffee euch nicht auch?
Kapitel acht Ende
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